Familienaufstellung

Durch das Erkennen dessen, was ist, entsteht Bewegung

Klaus H., ein Mann, Mitte 40, kommt mit seinem Anliegen ins Aufstellungsseminar:
„Ich will in der Lage sein, Liebe zu fühlen und Liebe annehmen zu können.“

Wir führen mit ihm ein kurzes Vorgespräch zu seiner grundsätzlichen Lebenssituation.

Er ist bereits seit vielen Jahren mit einer tollen Frau verheiratet, von der er weiß, dass sie ihn liebt. Er liebt sie auch, es fällt ihm aber schwer, sich ihr gegenüber zu öffnen und ihr seine Liebe zu zeigen. Sie hat das Gefühl, nicht wirklich an ihn heranzukommen, sie kennt seine wahren Gefühle nicht, es kommt zur Krise. In dieser Situation kommt Klaus ins Aufstellungsseminar.

Er erhält von uns die Aufgabe, aus der Gruppe der Teilnehmer Stellvertreter für sich und seine Frau zu suchen.

 

Die von ihm ausgewählten Stellvertreter stehen im Raum und schauen sich an. Es dauert nur wenige Sekunden und die Phänomene der Resonanz entfalten sich.

Die Ehefrau sucht ihr Gegenüber, schaut den Stellvertreter des Ehemanns offen und mit Liebe an. Der Mann sinkt in sich zusammen, schaut verstohlen zur Seite, meidet den direkten Blickkontakt und bleibt in seiner eigenen Welt.

Nun geben wir Klaus den Auftrag, Stellvertreter seiner Eltern zu benennen.

Es zeigt sich, dass sich der Vater spiegelbildlich zur Situation von Klaus´ Frau verhält.
Sein Vater blickt die Mutter offen und liebevoll an. Diese ist in sich versunken und verschlossen, hat weder Blickkontakt zu ihrem Mann noch zu ihrem Sohn. Die Mutter ist im Schmerz.

Im Prozess stellt sich heraus, dass die Eltern bereits vor dem Klienten ein Kind hatten, das früh verstarb.

Klaus wusste zwar von der verstorbenen Schwester, hat aber nie einen wirklichen Zusammenhang zu sich hergestellt. Seine Mutter war nach dem Tod ihrer Tochter vollkommen in Trauer versunken. Der Vater nahm das Unabwendbare scheinbar leichter oder er konnte und wollte es nicht so zeigen wie die Mutter. Diese nahm ihrem Mann den Mangel an Trauer übel.

Oftmals weiß der Klient nichts über die Hintergründe, manchmal kennt er sie. Erst, wenn er sie im Fühlen kontaktiert, erkennt er deren Relevanz und die Zusammenhänge. Auf eine enorm wirkungsvolle und verändernde Art und Weise werden diese im Laufe der Aufstellung sichtbar. Die Hintergründe kommen ans Licht.

Durch das Erkennen dessen, was ist, entsteht gleichzeitig in der Seele eine Bewegung – hin zu einer Lösung in Richtung des Anliegens. Die Wirkung des Prozesses stellt sich ein und entfaltet sich im Leben des Aufstellers nachhaltig weiter. Es muss nichts zusätzlich getan werden. Es gibt keine To Dos. Es geht vielmehr um das Erkennen der Hintergründe, Ursachen und Zusammenhänge.

Nun wird spontan eine Stellvertreterin der verstorbenen Schwester ausgewählt und im Raum aufgestellt.

Es zeigt sich, dass die Mutter nicht zu ihr hinschauen kann, während die Tochter sofort Kontakt zur Mutter sucht. Sie nähert sich ihr und setzt sich zu ihren Füßen hin. Die Mutter zögert zunächst. Doch durch die Annäherung der Tochter, findet ein Veränderungsprozess bei der Mutter statt. Sie öffnet sich langsam, kann sich der Tochter zuwenden und setzt sich neben sie.

Das Resonanzphänomen bewirkt, dass die Hintergründe ans Licht kommen. Es zeigt sich, was los ist mit der Mutter und warum sie so verschlossen ist. Im Prozess der Aufstellung finden Mutter und Tochter sich und können sich in Liebe nähern. Die Mutter ist aus der Tiefe ihrer Verschlossenheit aufgetaucht. Mit ihrem, nicht ausgelebten Schmerz über den tragischen Verlust ihrer Tochter, hatte sie sich dorthin wie in ein Schneckenhaus zurück gezogen. Sie blickt nun voll Liebe zu ihrem Mann. Dieser geht ganz langsam aber bestimmt auf Mutter und Tochter zu und setzt sich zu ihnen. Es entsteht ein sich Finden der Eltern.

Plötzlich hebt die Mutter den Blick und bemerkt, dass sie noch ein weiteres Kind hat: Klaus, den sie ihr Leben lang gar nicht wirklich sehen konnte.

Erst in diesem entscheidenden Moment ersetzen wir als Seminarleiter den Stellvertreter durch den Klienten.

 

Klaus steht nun seiner Mutter gegenüber und nimmt sich als von ihr gesehen wahr. Nach einer Weile setzt er sich zu Mutter, Vater und seiner Schwester. Es ist eine fast automatische Annäherung des Klienten an seine Mutter zu beobachten. Man nennt dies auch die „unterbrochene Hinbewegung zur Mutter zu Ende führen“. Seine bisherige Verschlossenheit bricht auf, er öffnet sich seiner Mutter gegenüber, wendet sich ihr sichtbar zu.

In einem letzten Schritt vollzieht der Klient dieselbe Bewegung, die die Mutter in Richtung ihres Mannes und ihres Sohnes gemacht hat. Er sieht plötzlich seine Frau und erkennt: „ich bin ja gar nicht mehr angewiesen auf die Liebe meiner Mutter. Ich bin erwachsen und habe eine liebende und von mir geliebte Frau.“ Er nähert sich ihr und umarmt sie.

Sein für die Aufstellung relevantes Anliegen ist auf eine ganz sichtbare Weise in Fluss gekommen. Fast ohne unsere Intervention als Aufstellungsleiter. Scheinbar von selbst – durch die direkt einsetzende Resonanz der Stellvertreter mit den realen Personen. Klaus ist als Aufsteller der unmittelbare, direkte Empfänger der Wirkung.

Wir erwarten als Coaches und Leiter der Aufstellungen weder ein Feedback, noch fragen wir die Wirkung einer Aufstellung ab. Dennoch freut es uns, als wie eine Weile nach dem Seminar von Klaus und seiner Frau hören. Wir erfahren, dass bei den beiden einiges in Bewegung gekommen ist. Sie berichten, dass sich durch sein Aufstellungserlebnis das Problem, dass Klaus sich nicht öffnen konnte, in Luft aufgelöst habe.

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