Systemische Aufstellungen

Das Unbewusste sichtbar machen

Eine Systemische Aufstellung ist eine effektive Methode, um – eventuell dysfunktionale – Beziehungsstrukturen innerhalb eines Systems zu erkennen und sichtbar zu machen.

Stellvertretend für Mitglieder, Teile oder Aspekte eines Systems werden Personen aus einer vorhandenen Gruppe gewählt und in einem realen Raum repräsentativ zueinander in Beziehung (auf-)gestellt.


Wir unterscheiden je nach System zwischen Familienaufstellungen, Organisationsaufstellungen, Strukturaufstellungen, Themenaufstellungen.

Systemaufstellungen werden auch erfolgreich in Organisationen und Unternehmen eingesetzt.

Auch wenn Uneingeweihte dies bei flüchtigem Blick so empfinden könnten: bei Systemaufstellungen handelt es sich nicht um Rollenspiele.

Erfolgreiche Aufstellungsarbeit wird seit den 80er Jahren in Deutschland praktiziert und hat sich aufgrund der überzeugenden Ergebnisse weltweit sehr schnell verbreitet. Bereits nach kurzer Zeit gab es Ausbildungsinstitute in vielen Ländern. Mittlerweile sind Aufstellungen eine weltweit eingesetzte, effektive Methode, um „das, was ist, sichtbar zu machen“.

Bereits eine einzige Aufstellung führt zu wirksamen Veränderungen

Dies sind die wesentlichen Merkmale einer Aufstellung:

Arbeit mit Stellvertretern

Menschen, die sich nicht kennen und nichts über die Situation des Aufzustellenden wissen, werden als Stellvertreter ausgewählt. Sie repräsentieren z.B. die Mutter, den Vater, die Tochter des Aufzustellenden.

 

Diese Stellvertreter haben Wahrnehmungen. Hier setzt das sogenannte Resonanzphänomen ein. Das bedeutet, dass die Stellvertreter in Resonanz kommen mit den wirklichen Familienmitgliedern. Auf diese Weise treten bislang unsichtbare, im Verborgenen liegende Hintergründe des Erlebens des Aufstellers/Klienten in der direkten Wahrnehmung der Stellvertreter ans Licht.

 

Die Resonanz der Stellvertreter mit den durch sie vertretenen realen Personen, die meist – mit Ausnahme des Aufstellers – gar nicht selbst anwesend sind, ist die Basis einer Aufstellung.

Gerade Menschen, die das erste Mal an einer Aufstellung teilnehmen, sind überwältigt von dem ihr zugrunde liegenden Resonanzphänomen. Es ist faszinierend und eindrucksvoll zu beobachten, dass ein Stellvertreter, der den realen Vater des Aufstellers gar nicht kennt, ähnlich oder genau so reagiert, wie dies der Vater tun würde.

Wir versuchen dies am Beispiel einer Familienaufstellung aus unserer Praxis zu verdeutlichen.

Systemischer Ansatz

Die Aufstellungsarbeit ist getragen von einem geweiteten, ganzheitlichen Blick auf die Zusammenhänge im jeweiligen System.

 

Wie ist die aktuelle Lebenssituation und die  Persönlichkeitsstruktur des Aufstellers? Was sind die dafür relevanten, aber oftmals unbewussten Hintergründe für die Problemstellung?

 

Fast immer sind bei einer Familienaufstellung frühe Beziehungserfahrungen mit den Eltern von Bedeutung. Wie hängen diese mit der Position des Klienten in seinem Familiensystem und mit den systematischen Dynamiken der Familienmitglieder untereinander zusammen?

Phänomenologische Schau auf die Seele

Hier geht es um eine völlig andere Art zu schauen. Eine subtile Form der Wahrnehmung, die nicht eingreift, nicht manipuliert, nicht bewertet, nicht analysiert. Und die nicht sofort Lösungsstrategien zu entwickeln versucht, sondern einfach verstehen möchte.

Der Aufstellungsleiter stellt sich mit den Beteiligten die Frage: Wie will die Seele angeschaut werden, damit sie bereit ist, sich anzuvertrauen und sich zu öffnen? Damit sie bereit ist, in Entspanntheit ihre Geheimnisse zu zeigen. Damit das, was bisher unbewusst war, sichtbar wird. Die Antwort darauf: Die Seele will wahrhaftig angeschaut werden – in liebevoller, respektvoller, nicht beurteilender und nicht eingreifender Weise. Alles was ist, darf sein.

Manchmal muss der Aufstellungsleiter das Schauen auf das, was ist, unterstütztend begleiten. Meist jedoch kommen die Dinge ganz von selbst in Fluss.

Das wesentliche Instrument der Aufstellungsarbeit ist das Spüren der Dinge, die normalerweise nicht bewusst werden. Verschüttetes und Unbewusstes kommt ans Licht. Das Unbewusste ist zwar stets da und wirkt, aber es ist nicht im Bewusstsein. Die phänomenologische Schau auf die Seele ist das in Kontaktgehen mit dem wirklichen Erleben – dem gespürten, gefühlten, direkten Erleben.

Die gedankliche Analyse und das intellektuelle Verstehen von Hintergründen und Zusammenhängen ändern nicht wirklich etwas auf einer tiefen seelischen Ebene. Das schafft nur das Spüren und Fühlen von sichtbar gemachtem Unbewusstem.

Die Gedanken, die wir uns über uns machen und das, was in unserer Seele wirklich passiert, sind zwei verschiedenen Dinge.

Das Spüren ist normalerweise nicht frei, sondern immer irgendwie von unserer Überzeugung und unseren Denkgewohnheiten gesteuert, zensiert und verändert.

Die Stellvertreter haben die Möglichkeit, offener zu spüren, unvoreingenommener zu fühlen.

Wichtig ist, dass die ganze Gruppe – auch die Beobachter – in den Zustand der Sammlung, des Spürens, der Stille, der direkten Erfahrung kommt – und dass das Denken weniger im Vordergrund steht.

Schauen was sich zeigt. Anerkennen was ist.

Wir haben die Verwirrung der tausend verschiedenen Gedanken in uns und wollen bestimmte Dinge nicht wahrhaben. Diese widersprächen unserem Selbstbild, sie widersprächen unseren Überzeugungen. Bestimmte Erinnerungen versetzen uns ins Angst. Wir versuchen diese zu vermeiden.

 

Gerade die Konfrontationsvermeidung und die wegzensierten Lebensinhalte und Wahrheiten sorgen für unsere Probleme oder dafür, dass ein Herzenswunsch nicht von alleine fliesst und sich erfüllen kann.

 

Wir nehmen als Aufsteller an einem Seminar teil, um eine Problemlösung zu finden für Dinge, die nicht einfach so ans Licht kommen (dürfen).

 

Über-Ich-Attacken halten uns davon ab, den Dingen auf den Grund zu gehen. Wir verurteilen uns selbst für das, was nicht unserem Selbstbild entspricht und die Seele schließt sich. Mit einer solchen Selbstzensur ist eine Entfaltung nicht möglich.

 

Deshalb geht es bei der Aufstellung darum, offen zu spüren, zu fühlen und anzuerkennen: Alles, was sich in dieser Situation zeigt, wird angeschaut, wird ernst genommen und darf wirken. Wir setzen uns der Wirkung dieser Ereignisse aus.

 

Oftmals kommen in einer Familienaufstellung Dinge ans Licht, die unangenehm sind und einen Schmerz auslösen. Angst und Schuldgefühle können deutlich werden.

 

„Die Wirklichkeit ist nicht immer angenehm, aber die Wirklichkeit ist immer freundlich.“

 

Das Lösen und Öffnen der Zensurvorgänge, die das Hinschauen stören, hat eine in Wirklichkeit wohltuende Wirkung. Wir dringen durch eine Wolke des Unbewussten vor und gewinnen dadurch wieder an Boden – auch wenn es im Moment des Fühlens schmerzt. Die Dinge, die mit Bewusstsein berührt werden, kommen in Bewegung und die Blockaden lösen sich.

Geeignete Anliegen und ungeeignete Anliegen

Was sind geeignete Anliegen für eine Aufstellung? Was sind ungeeignete Anliegen?

Aufstellungen machen dort Sinn, wo das Grübeln nicht hilft und das Machen nicht funktioniert.
Wenn es um unbewusste, offensichtlich nicht beherrschbare Dynamiken geht, die sich auf logischem Wege nicht lösen lassen.

Für das gewählte Aufstellungsthema gilt: man muss selbst zuständig sein. Der Aufsteller hat also Herzenswünsche im Blick, die ihn unmittelbar selbst betreffen. Er stellt nicht für seine Schwägerin oder seinen erwachsenen Sohn auf.

Eine Aufstellung ist nicht die Methode der Wahl für alle Themen, die man analysieren und für deren Problemlösungen man Strategien festlegen kann.

Wie verläuft eine Aufstellung typischerweise?

Am Anfang steht das Anliegen des Klienten. Nur wenn dieser wirklich in Kontakt geht mit seinem Herzenswunsch, funktioniert eine Aufstellung.

 

Die Aufstellung soll Anliegen, die blockiert sind, lösen.

 

Dabei muss gar nicht zu viel über die richtige Formulierung des Anliegens gegrübelt werden. Es genügt, es als Herzensfrage zu erfühlen und zu benennen.

Manchmal führen wir als Coaches ein telefonisches oder persönliches Vorgespräch. Oder wir tauschen uns per Mail mit dem Aufsteller aus. Was ist der Wunsch oder das Thema des Aufstellers? Gibt es schicksalsprägende Ereignisse in der Familiengeschichte? Wie zum Beispiel der Tod eines Angehörigen, ein Unfall, ein Verbrechen, Flucht oder Vertreibung?

Im Seminar ist die richtige Atmosphäre von großer Bedeutung, damit diese tiefen seelischen Prozesse möglich werden. Zu Beginn sorgen wir als Ausstellungsleiter dafür, dass Stille und Sammlung im Raum herrschen. Die Vereinbarung klarer Regeln – zum Beispiel der Verschwiegenheit – trägt dazu bei, Entspannung und Vertrauen zwischen den Teilnehmern herzustellen.

Aufstellungsarbeit hat viel mit unmittelbarer Wahrnehmung zu tun, mit direktem Spüren und Fühlen. Das Denken soll dabei in den Hintergrund treten.

Wir beginnen die Aufstellung meist mit einer Sammlungsübung, damit die Gruppe gemeinsam ins Spüren und Fühlen kommt.

Wir arbeiten mit Gruppen unterschiedlicher Größen. Je nach Teilnehmerzahl können pro Aufstellungstag bis zu sechs Aufstellungen durchgeführt werden. Eine große Gruppe muss kein Hindernis sein. Im Gegenteil: sie kann die Aufstellung unterstützend tragen.

Wer an einer Aufstellung teilnimmt, ist entweder Aufsteller, Beobachter oder Stellvertreter für jeden der einzelnen Prozesse. Jeder ist in der Lage, Stellvertreter zu sein.

Wir entscheiden als Coaches gemeinsam mit dem Aufsteller, wie viele Personen wir für die Aufstellung brauchen. Der Aufsteller wählt die Stellvertreter aus und positioniert diese im Raum. Es handelt sich dabei um Personen, die er nicht kennt und die nichts über ihn wissen.

Diese sollen nun Stellvertreter sein für den Aufsteller selbst, seine Mutter, seien Vater seine Schwester …
 
Diese stehen nun im Raum und beginnen zu spüren. Hier lässt sich nun das Phänomen beobachten, dass die Stellvertreter in Resonanz kommen mit den realen Personen. Etwas aus der wirklichen Familie wirkt hinein in die Aufstellung. Obwohl sie nur Stellvertreter sind, nehmen sie wahr, wie es zum Beispiel „mir als Vater“ in diesem System und im Zusammenhang mit den anderen Familienmitgliedern geht.

Dabei tritt das Denken in den Hintergrund. Das, was sich dann zeigt, soll nicht aus dem Kopf kommen, sondern erspürt und gefühlt werden. Die Gedanken, die sich ein Mensch über sich oder sein Problem oder über seine Familie Folie macht, helfen nicht. Es geht dabei um die Orientierung im Spüren und im Hinschauen, nicht um Wissen. Die Bewegung beobachten und anerkennen dessen, was ist.

Das, was wir in der Aufstellungsarbeit am meisten nutzen, sind die körperlichen Wahrnehmungen – direkt aus dem Bauch heraus.

 

Die Teilnehmer der Aufstellung begeben sich fühlend und spürend auf die Suche nach den Schicksalen der Liebe in der Familie. Wir suchen im wesentlichen die Stelle, wo die Liebe in der Familie nicht frei fließt, sondern blockiert ist. Die Blockade soll gelöst und die Liebe in der Familie wieder in Fluss kommen.

Hinwendungen zu Personen sind ebenso möglich wie das sich Abwenden Wollen, weil man „mit dem nix zu tun haben will“. Manche Stellvertreter haben das Bedürfnis rauszugehen aus dem System und verlassen die Aufstellung schnell und impulsiv. Die Stellvertreter fühlen sich kalt oder warm, ihnen wird unerträglich heiss. Es können auch Schmerzsymptome auftreten.

Durch die Wahrnehmung und die Bewegung der Stellvertreter kommen relevante Hintergründe ans Licht. Etwas zeigt sich.

 

Manchmal benennt der Aufstellungsleiter, was sich zeigt. Aber im wesentlichen vollzieht sich die Bewegung von alleine und es finden sich Bewegungen hin zur Lösung. An einem bestimmten Punkt wird der Stellvertreter des Klienten durch ihn selbst ausgewechselt. Indem dieser nun auf seinem eigenen Platz ist, nimmt er die Bewegungen zur Lösung selbst vor. Die Lösungsbewegungen dienen allen. Sie gehen nie auf Kosten eines Einzelnen. Der Aufstellungsprozess wird beendet, die Stellvertreter aus ihrer Rolle entlassen.

Nach dem Seminar kommt der Klient mit der Frage in Kontakt: „Was tue ich jetzt, was mache ich jetzt bewusst mit der gewonnen Erkenntnis?“ Unsere Antwort: Nichts. Es findet eine Bewegung in der Seele des Aufstellers statt, dem Empfänger der Wirkung. Was immer sich im Verlauf der Aufstellung gezeigt hat, wird bei ihm wirken.

Er braucht nicht irgendwas zu tun, damit sich diese Wirkung entfaltet. Er ist nach dem Aufstellungsprozess wie ein Segelboot mit gehissten Segeln: Er wartet auf den Wind, der ihn in Bewegung setzt.

Sehen Sie sich dazu ein Beispiel aus unserer Praxis an.

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